
Niedrige Quote bedeutet keine Entwarnung
Bei 63 von 13.344 Bochumer Amateurfußballspielen ist in der Saison 2025/26 mindestens ein Gewalt- oder Diskriminierungsvorfall gemeldet worden. Das entspricht einem Anteil von 0,49 Prozent. Die Quote ist damit gegenüber der Vorsaison unverändert geblieben. Außerdem hat das DFB-Lagebild 20 gemeldete Spielabbrüche ausgewiesen.
Der Bochumer Kreisvorsitzende im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen, Axel Zimmermann, hält die Quote allein allerdings für wenig aussagekräftig. Er spricht von einem „Verwässerungseffekt“. In die Gesamtzahl fließen auch viele Begegnungen der jüngeren Jugendmannschaften ein, bei denen nach seiner Einschätzung kaum Vorfälle auftreten.
Zimmermann schaut deshalb besonders auf die Senioren sowie auf die A- und B-Junioren. In diesen Bereichen stellt der Fußballkreis nach seinen Angaben sowohl bei den absoluten Zahlen als auch bei den jeweiligen Anteilen eine steigende Tendenz fest.
Nicht jedes Fehlverhalten taucht im Lagebild auf
Nach Zimmermanns Einordnung bildet das DFB-Lagebild zudem nicht das gesamte aggressive oder unsportliche Verhalten auf den Fußballplätzen ab. Grundlage sind die digitalen Spielberichte. Dort markieren Schiedsrichter, ob es eine Gewalttat oder einen Spielabbruch gegeben hat.
Rote Karten, Trainerverweise oder anderes Fehlverhalten erscheinen laut Zimmermann nicht automatisch in der Gewaltstatistik. Auch ein Trainer, der sich am Spielfeldrand massiv danebenbenehme, könne deshalb außerhalb dieser Auswertung bleiben. Für ein genaueres Bild betrachtet der Fußballkreis zusätzlich die Fair-Play-Daten und die Verfahren der Sportgerichte.
Diese Statistiken zeigen einen deutlichen Anstieg. Im Erwachsenenbereich ist die Zahl der Urteile von 144 auf 195 gestiegen. Dort haben die Gerichte 62 statt zuvor 47 Tätlichkeiten erfasst. Beleidigungen oder Bedrohungen gegen Schiedsrichter haben von 17 auf 29 zugenommen.
Auch im Jugendbereich mehr Urteile
Im Jugendbereich ist die Zahl der Urteile von 84 auf 120 gestiegen. Beleidigungen gegen Schiedsrichter haben sich von zehn auf 22 mehr als verdoppelt. Die Zahl der Unsportlichkeiten ist von 15 auf 28 gestiegen, die der groben Unsportlichkeiten von 16 auf 25.
Bei den Tätlichkeiten fällt der Anstieg im Jugendbereich kleiner aus: Die Zahl ist von zehn auf elf gestiegen. Zusätzlich ist eine Tätlichkeit gegen einen Schiedsrichter erfasst worden. Die Geldstrafen haben sich auf 4.915 Euro summiert. In der Vorsaison waren es 4.350 Euro.
Aggressionen kommen teilweise vom Spielfeldrand
Zimmermann sieht nicht nur Spieler in der Verantwortung. Bei Jugendspielen würden Aggressionen teilweise von außen auf das Spielfeld getragen. Schon aggressive Zurufe könnten die Stimmung beeinflussen und Konflikte verschärfen.Der Kreisvorsitzende fordert deshalb ein deutlicheres Eingreifen der Vereine. Auch Trainer müssten ihre Vorbildfunktion wahrnehmen. Das gelinge nach seiner Einschätzung noch nicht überall.
Zimmermann ordnet die Entwicklung zugleich vorsichtig ein. Die steigenden Zahlen seien besorgniserregend, größere Auswüchse gebe es in Bochum aber nicht ständig. Auch im Vergleich mit anderen Fußballkreisen sei die Lage nach seiner Einschätzung nicht grundsätzlich dramatischer.