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Bochum: Oberarzt begrüßt Social Media-Verbot für Jugendliche
© lev dolgachov - fotolia
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Bochum: Oberarzt begrüßt Social Media-Verbot für Jugendliche

Der Bochumer Suchtmediziner Dr. Jan Dieris-Hirche vom LWL-Universitätsklinikum sieht in der Debatte über ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren ein wichtiges Signal für mehr Prävention und einen bewussteren Umgang mit digitalen Plattformen.

Veröffentlicht: Montag, 09.03.2026 04:35

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Social Media beeinflusst Entwicklung besonders stark

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Die Diskussion über ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren bekommt Unterstützung aus der Medizin. Dr. Jan Dieris-Hirche, Oberarzt am LWL-Universitätsklinikum Bochum und Leiter der Mediensuchtsprechstunde, begrüßt vor allem das politische Signal hinter dem Vorschlag von CDU und SPD. „Ich begrüße das politische und gesellschaftliche Signal, das jetzt zumindestens mal entstanden ist“, sagt Dieris-Hirche im Gespräch mit Radio Bochum. Nach Einschätzung des Bochumer Mediziners unterscheidet sich Social Media deutlich von anderen digitalen Angeboten wie Computerspielen. Ein wichtiger Faktor sei die soziale Komponente. „Social Media hat ja als große Komponente eben die Verbundenheit mit anderen Menschen […] und einen unglaublichen Wirkungsgrad auf eben das Thema eigene Orientierung“, erklärt Dr. Dieris-Hirche. Gerade deshalb sei der Umgang mit sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche besonders sensibel. „Die Kombination aus Social Media und Entwicklungspsychologie […] ist eine besondere Thematik, die auch wirklich gut beachtet werden muss.“

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Risiken gehen über reine Nutzungszeit hinaus

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Bei problematischer Nutzung gehe es nicht nur um die Frage, wie lange Kinder online sind. Auch andere Faktoren spielen laut dem Bochumer Mediziner eine Rolle. „Es geht darum, wie setze ich das ein, wie häufig setze ich das ein, wie lange setze ich das ein, wie sehr hat das auf einmal Bedeutung für mein echtes Leben und wie sehr leide ich darunter, dass ich es nicht kontrollieren kann“, sagt Dr. Dieris-Hirche. Hinzu kämen weitere Risiken, etwa unrealistische Schönheitsideale oder sozialer Druck in der Peergroup. „All das ist gerade in dem Thema Social Media besonders relevant.“

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Verbot vor allem als Präventionssignal

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Ein mögliches Verbot für unter 14-Jährige bewertet der Bochumer Oberarzt deshalb vor allem als präventives Signal. „Die amerikanischen Unternehmen, die ja Social Media produzieren, die achten nicht auf Gesundheit von Menschen. Denen ist es nicht das primäre Anliegen, dass unsere Zwölfjährige keinen Schaden davon tragen“, so Dr. Dieris-Hirche. Ein gesetzlicher Rahmen könne deshalb zeigen, dass Gesellschaft und Politik Verantwortung übernehmen. „Es geht um Prävention dabei.“

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Auch Eltern in der Verantwortung

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Neben politischen Maßnahmen sieht der Bochumer Mediziner vor allem Familien in der Pflicht. Klare Regeln seien wichtig, gerade bei jüngeren Kindern. „Grundschulalter ist kein Smartphone-Alter“, sagt Dr. Dieris-Hirche. Eltern müssten hier auch konsequent bleiben - selbst wenn Kinder das zunächst nicht gut finden. „Davon möchten wir unsere Kinder bewahren, auch wenn unsere Kinder es im Hier und Jetzt nicht gut finden.“


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Umsetzung bleibt offene Frage

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Ob ein Social-Media-Verbot technisch überhaupt vollständig durchsetzbar wäre, bleibt aus Sicht des Experten offen. Entscheidend sei zunächst die gesellschaftliche Debatte. „Nicht alles, was frei im Internet möglich ist, ist für unsere psychologische Entwicklung […] auch gesund.“ Aus medizinischer Perspektive spricht sich Dr. Dieris-Hirche daher grundsätzlich für eine Altersgrenze aus: „Aus ärztlicher und fachärztlicher Perspektive […] würde ich mich aktuell eher für ein Verbot für unter 14 Jahren aussprechen.“

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