
Bochumer Forscher entdecken Gehirn-Veränderung
Wissenschaftler des Katholischen Klinikums Bochum haben eine bisher unbekannte Veränderung im Gehirn bei einer seltenen Muskelerkrankung entdeckt. Diese neuen Erkenntnisse der Bochumer Forscher könnten helfen, die Auswirkungen der Myotonen Dystrophie auf das Nervensystem besser zu verstehen.
Veröffentlicht:
Neue Entdeckung am St. Josefs-Hospital
In einer aktuellen Studie haben Mediziner aus Bochum eine wichtige Entdeckung im Bereich der Erbforschung gemacht. Das Team des Katholischen Klinikums Bochum (KKB) untersuchte die seltene Erkrankung Myotone Dystrophie, die vor allem für Muskelschwund bekannt ist. Dabei stellten sie fest, dass eine bestimmte Struktur tief im Inneren des Gehirns bei Betroffenen deutlich vergrößert ist. Es handelt sich dabei um den sogenannten Plexus choroideus, ein feines Gewebe, das für die Produktion des Nervenwassers zuständig ist. Dieses Gewebe spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz des Gehirns und dem wichtigen Austausch von Stoffen zwischen dem Blut und dem Nervensystem.
Untersuchungen in der Bochumer Neuroradiologie
Unter der wissenschaftlichen Leitung der Neuroradiologie am St. Josef-Hospital wurden für die Studie hochauflösende Magnetresonanztomografie-Aufnahmen (MRT) analysiert. Insgesamt untersuchte das Team die Daten von 55 Patientinnen und Patienten sowie einer gesunden Vergleichsgruppe aus der Region. Mithilfe moderner Computeranalysen gelang es den Wissenschaftlern, das Volumen der Hirnstruktur präzise zu messen und zu vergleichen. Besonders bei Menschen mit dem Krankheitstyp 2 war die Vergrößerung im Durchschnitt sehr deutlich messbar. Bei Patienten mit dem Typ 1 fanden die Experten zudem einen Zusammenhang zwischen der Größe des Gewebes und Veränderungen in den Nervenverbindungen des Gehirns.
„Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, dass auch der Plexus choroideus bei der Myotonen Dystrophie strukturell verändert ist. Besonders interessant ist der Zusammenhang mit den Veränderungen der weißen Gehirnsubstanz. Das eröffnet uns eine neue Perspektive auf die Prozesse, die sich bei dieser Erkrankung im Gehirn abspielen könnten.“ - Prof. Dr. Carsten Lukas, Chefarzt der Neuroradiologie am St. Josef-Hospital
Bedeutung für die Zukunft der Medizin in Bochum
Die Forschenden vermuten nun, dass die sichtbaren Veränderungen mit dem Flüssigkeitshaushalt oder entzündlichen Prozessen im Kopf zusammenhängen könnten. Ob die vergrößerte Struktur tatsächlich die Ursache oder lediglich eine Folge der Krankheit ist, müssen nun weitere Untersuchungen an verschiedenen Forschungsstandorten zeigen.