
Erinnerungskultur: Neue Stolperschwelle und -steine in Bochum
Bochum hat zwei neue Orte, an denen in den Boden eingelassene Messing-Steine an Opfer des Naziregimes erinnern. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat sie am Montag (8. Juni) verlegt. Ein Stadtteil bekommt zum ersten Mal einen Stolperstein.
Veröffentlicht: Dienstag, 09.06.2026 03:20
Neue Stolperschwelle vor Rathaus Bochum
Ein langer goldener Stein hat jetzt seinen Platz am Rathaus gefunden. Es ist eine Stolperschwelle, die an die Opfer des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms gedenken soll. In der NS-Zeit hatten das Gesundheitsamt Bochum und die Verwaltung hunderte Menschen mit Einschränkung in Pflege- und Arbeitshäuser zwangsverlegt. Oft wurden diese Menschen später in Tötungsanstalten ermordet. Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs im Evangelischen Johanneswerk haben Spenden in Höhe von 760 Euro für die Schwelle gesammelt.
„Weil gerade dieses Gedenken, was war und was darf nie wieder kommen, das ist so wichtig, auch dass das verhaftet ist, gerade bei den jungen Menschen. Und wenn ich das sehe, mit welchem Engagement hier rangegangen wurde, sowas ist immer unterstützenswert. Das stärkt unsere Demokratie, das stärkt unser Miteinander, unser Füreinander." - Oberbürgermeister Jörg Lukat
Die Stolperschwelle wurde auf Initiative der Omas gegen Rechts Bochum realisiert.
Erster Stolperstein in Bochum-Stiepel
Darüber hinaus wurden die ersten Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus in Bochum-Stiepel verlegt. Die beiden Steine in der Gräfin-Imma-Straße 50b erinnern an Hugo Höltermann und seine Frau Lina Höltermann. Als bekennende Zeugen Jehovas wurden beide 1938 verhaftet. Lina Höltermann wurde später aus der Haft entlassen, ihr Mann Hugo Höltermann dagegen war über mehrere Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert. 1944 wurde er im KZ Ravensbrück erschlagen. Die Enkelin der beiden, Christel Stoffer, freut sich darüber, dass die Namen ihrer Großeltern nun so verewigt wurden:
„Da ich in Stiepel auch groß geworden bin und eigentlich früher jeder jeden kannte, da war das nicht so besonders. Es wird daran erinnert, was das früher für eine Zeit war. Und dass heute so der Zeit gedacht wird, finde ich sehr schön." - Christel Stoffer, Enkelin von Hugo und Lina Höltermann, an die die ersten Stolpersteine in Stiepel erinnern
Hugo Höltermann gilt laut dem Stiepeler Verein für Heimatforschung e.V. bisher als einziger Stiepeler, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde.