
"Kontraproduktiv" - Abschaffung der telefonischen Krankmeldung in Bochum?
Kontroverse um telefonische Krankmeldung: Auf bundespolitischer Ebene wird eine Abschaffung der telefonischen Krankmeldung diskutiert. Ein Hausarzt in Bochum und die ver.di sehen das kritisch.
Veröffentlicht: Donnerstag, 22.01.2026 05:20
Hausarzt aus Bochum: "keine gute Idee"
Seit Ende 2023 ist es möglich, sich telefonisch krankzumelden, um die Arztpraxen zu entlasten. Diese Regelung sorgt aktuell für kontroverse Diskussionen in der Politik. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat angekündigt, die neuen Regelungen zu überprüfen. Kritische Stimmen, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, sehen einen Zusammenhang zwischen dem hohen Krankenstand und der Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung. Merz äußerte, dass die einfache Krankschreibung am Telefon 'sicherlich' dazu beitrage. Aus Bochum kommt Kritik an der Diskussion über die Abschaffung:
"Alle Patienten müssten dann in Arztpraxen vorstellig werden und würden den regulären Sprechstundenverkehr, der sowieso um diese Zeit schon sehr ausgelastet ist, noch weiter nach oben treiben. Das bedeutet in der Konsequenz längere Wartezeiten. Das in Wartezimmern, in denen auch Infektionserkrankungen sind, das wäre zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich keine gute Idee." - Dr. Eckhard Kampe, Allgemeinmediziner und Hausarzt in Bochum
ver.di mittleres Ruhrgebiet glaubt nicht an Rückgang der Krankentage durch Abschaffung
Aus Arbeitnehmersicht glaubt auch die Gewerkschaft ver.di an keine Besserung mit Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Viele Menschen haben jetzt schon ein Problem, ihre Praxis zu erreichen - dass das erschwert würde, würde nicht zur Genesung beitragen, so die ver.di:
"Die Anzahl der A.U. Tage wird sich voraussichtlich nicht verringern, wenn die telefonische Krankmeldung nicht mehr möglich ist. Wir haben die Situation, Menschen werden leider häufiger krank, aber jetzt zu sagen, ich lass die Menschen da jetzt alle in der Arztpraxis antanzen, dann wird es nicht mehr so viele Krankmeldungen geben, ist für uns nicht denkbar." - Bernd Dreisbusch, Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft ver.di mittleres Ruhrgebiet
Während die Union die Regelung kritisch betrachtet, gibt es breite Unterstützung aus anderen politischen Lagern. SPD, Grüne, Linke und der BSW weisen die Kritik von Bundeskanzler Merz zurück und betonen, dass Millionen von Menschen unter Generalverdacht gestellt würden, die telefonische Krankschreibung zu missbrauchen.