
Ruhr-IHKs enttäuscht von Bundesregierung: Kritik auch aus Bochumer Wirtschaft
Ein Jahr nach dem Amtsantritt der Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD ziehen die Ruhr-IHKs ein ernüchterndes wirtschaftspolitisches Zwischenfazit. Aus Sicht der Unternehmen im Ruhrgebiet - und damit auch vieler Betriebe in Bochum - seien die erhofften Entlastungen bisher kaum spürbar.
Veröffentlicht: Mittwoch, 06.05.2026 15:05
Hohe Kosten und zu viel Bürokratie belasten Unternehmen
Die Ruhr-IHKs kritisieren vor allem hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, zu viel Bürokratie und langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren. Die Bundesregierung sei mit dem Anspruch gestartet, Deutschland wirtschaftlich wieder nach vorn zu bringen. Aus Sicht der Wirtschaft im Ruhrgebiet sei die Bilanz bisher aber sehr gemischt.
Schon der Ruhrlagebericht aus dem Februar hatte eine pessimistische Stimmung in der regionalen Wirtschaft gezeigt. An der Umfrage hatten sich rund 700 Unternehmen mit mehr als 80.000 Beschäftigten beteiligt. Der Konjunkturklimaindex lag demnach nur bei 93 Punkten.
Ruhr-IHKs fordern klaren Kurs
Die Ruhr-IHKs fordern von der Bundesregierung einen klaren Reformkurs. Kurzfristige Einzelmaßnahmen reichten aus ihrer Sicht nicht aus. Notwendig seien unter anderem dauerhaft niedrigere Energiepreise, weniger Bürokratie und bessere Bedingungen für Investitionen.
Kritisch sehen die Ruhr-IHKs auch die von der Bundesregierung ins Spiel gebrachte steuer- und abgabenfreie 1.000-Euro-Prämie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Viele Unternehmen könnten solche zusätzlichen Zahlungen wegen hoher Energie-, Transport- und Finanzierungskosten nicht leisten.
Sorge vor weniger Investitionen im Ruhrgebiet
Die IHKs warnen außerdem davor, dass Unternehmen Investitionen verschieben, überprüfen oder ins Ausland verlagern könnten. Gerade das Ruhrgebiet mit seiner Industrie, Logistik, Energiewirtschaft und vielen unternehmensnahen Dienstleistungen sei auf wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen angewiesen.
Aus Sicht der Ruhr-IHKs müsse die Bundesregierung deshalb schneller handeln. Viele Standortprobleme seien politisch beeinflussbar - etwa bei Strompreisen, Genehmigungen, Berichtspflichten, Arbeitskosten und Steuern.