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Spinnenangst: Das können wir tun
© Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services
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Spinnenangst: Das können wir tun

Die Ruhr-Universität und das Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit beschäftigen sich damit, wie Spinnenangst bei Kindern und Erwachsenen besiegt werden kann. Im Interview sagt uns eine Forscherin: Konfrontation kann helfen.

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Warum haben so viele Menschen Angst vor Spinnen?

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Wenn die Temperaturen im Herbst sinken, dann kommen Spinnen wieder öfter in die Wohnungen und Häuser in Bochum. Viele schnappen sich dann ein Glas und tragen die Spinnen wieder raus. Einigen bereitet das aber große Sorge bis hin zu Panik. Spinnenphobie kann Menschen richtig lähmen und wer allein nicht dagegen ankommt kann sich der Angst in einer Therapie stellen. 2023 hat Svenja Schaumburg als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit in Bochum eine Studie mit Kindern zu Spinnenangst durchgeführt. Im Interview erklärt sie, dass Phobien durchaus von den Eltern kommen können - es gibt aber mehrere Faktoren, die eine Angst begünstigen. Die Konfrontationstherapie ist bei vielen Kindern angeschlagen.

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Interview mit Forscherin Svenja Schaumburg

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Radio Bochum: Warum das Thema Spinnenangst?

Svenja Schaumburg: Die Angst vor Spinnen ist eine sehr häufige Angst, sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. Wir wissen auch, dass Spinnenangst mit großen Beeinträchtigungen einhergehen kann, wenn Menschen zum Beispiel vermeiden, in Räumlichkeiten zu gehen, wo sie Spinnen vermuten, oder nicht mehr in der Natur sein können. Was wir auch wissen, ist, dass Ängste Vorläufer sind für spätere Schwierigkeiten im Erwachsenenalter, also zum Beispiel für andere Ängste oder auch für Depressionen oder auch für Schwierigkeiten in schulischen Leistungen. Und deswegen beschäftigen wir uns ganz intensiv auch mit Kinderängsten, um eben da mögliche negative Entwicklungsverläufe schon so früh es geht abfangen zu können.

Radio Bochum: Wie war denn die Erfahrung mit Kindern und Spinnen in Kombination zu arbeiten?

Svenja Schaumburg: Die Erfahrung war total cool, weil wir gesehen haben, wie am Anfang die Angst natürlich noch ziemlich groß war. Deswegen waren die Kinder ja auch da und auch die Berührungsängste, wenn ich das jetzt mal so sagen kann, auch noch da waren und wie sich die Kinder dann so entwickelt haben mit der Zeit und sich immer mehr getraut haben und auch immer mehr in Kontakt gekommen sind mit den Tieren. Ja, das war einfach total schön und auch sehr belohnend für mich als Therapeutin.

Radio Bochum: Was kam denn dabei rum?

Svenja Schaumburg: Die Studie war erfolgreich darin, die Angst bei Kindern zu reduzieren. Wir gucken uns ja immer die Durchschnittswerte an und wir haben die Durchschnittswerte der Angst reduzieren können und auch von Vermeidung und Belastung durch die Angst. Und wir haben auch ein diagnostisches Interview durchgeführt, sowohl vorher als auch durchschnittlich zwei Monate nachher. Und da konnten wir feststellen, dass wir bei einigen Kindern auch eine Remission der spezifischen Phobie feststellen können. So nennen wir das. Also Remission bedeutet, dass vorher die Diagnosekriterien erfüllt waren und nachher dann nicht mehr erfüllt waren. Und das hat auch bei einigen der teilnehmenden Kinder geklappt.

Radio Bochum: Was weiß denn die Wissenschaft bisher darüber, woher das kommt? Man sagt ja immer auch: Bloß vor Kindern keine Angst zeigen, dass da vielleicht eine Prägung passieren könnte. Also das ist so ein Tipp, den man Eltern gibt. Aber stimmt das?

Svenja Schaumburg: Es gibt ganz verschiedene Wege, wie die Angst vor Spinnen zum Beispiel entstehen kann. Das kann so was sein wie Modelllernen, also dass Eltern sich vor Spinnen zum Beispiel sehr ekeln. Das haben wir im Projekt auch festgestellt. Wir hatten eine Gruppe, wo Eltern gemeinsam mit ihren Kindern teilgenommen haben. Und da hat man das ganz schön gesehen, dass teilweise einfach die gleichen Muster gezeigt wurden oder dass Eltern sich dann zum Beispiel nicht getraut haben, sich der Spinne anzunähern. Und das kann also auch definitiv ein Faktor sein, der dazu beiträgt. Es ist aber oft nicht der einzige. Wir gehen bei jeglichen psychischen Problemen nicht davon aus, dass es so die eine Ursache gibt, sondern dass meistens mehrere Faktoren zusammenkommen. Und gerade bei so Ängsten wie vor Spinnen oder vor Hunden gibt es auch manchmal eigene Erfahrungen, die zu den Ängsten beitragen. Also zum Beispiel: Ich bin in den Keller reingegangen und als ich das Licht angemacht habe, habe ich gesehen, direkt über mir ist eine Spinne, und da habe ich mich schrecklich erschrocken. Dafür muss das gar nicht sein, dass die Spinne irgendwie was gemacht hat, was für mich wirklich gefährlich war, sondern es reicht dann zum Beispiel, dass ich mich erschreckt habe. Oder Geschichten über Spinnen, die ich gehört habe. Gerade wenn so was im Radio ist wie: Da war mal wieder eine Spinne in der Bananenkiste im Supermarkt, dann ist das natürlich - oder jetzt ist die Nosferatu-Spinne da und die ist tatsächlich gefährlicher als die anderen Spinnen, die wir hier bisher so in Deutschland rumlaufen hatten. Und das sind so alles verschiedene Faktoren, die dazu beitragen, auch wie selbstwirksam ich mich erlebe im Umgang mit Ängsten, ob ich denke: Auch wenn ich Angst habe, kann ich das trotzdem schaffen, ich traue mich trotzdem, in den Keller zu gehen. Das sind auch solche Faktoren, die zur Entstehung beitragen.

Radio Bochum: Gibt es was, was man einfach machen kann, wenn man Angst hat? Sich der Angst stellen? Hilft das immer?

Svenja Schaumburg: Das hilft in der Regel schon. Also es ist so der Goldstandard, was wir machen, dass wir uns gemeinsam dann mit den Betroffenen den Ängsten stellen, meistens auch ohne, dass wir irgendwelche Strategien haben. Gerade bei Erwachsenen sind wir so ein bisschen davon ab, zu sagen: Dann wenden Sie doch Atemtechnik XY an, sondern so, dass das Kernprinzip ist: Ich stelle mich meiner Angst. Wobei es jetzt vermessen wäre zu sagen: Na ja, dann stellt euch doch einfach eurer Angst, dann geht die auch von alleine wieder weg. Manchmal braucht man halt Hilfe von psychotherapeutischer Seite, um das gemeinsam angehen zu können. Gerade wenn jetzt zum Beispiel die Vermeidung schon sehr lange andauert und jemand schon sehr, sehr lange Angst hat und das sehr lange aufrechterhalten wurde, dann ist es vielleicht was, was man nicht alleine schaffen kann, sondern was man dann in Begleitung machen kann. Und ansonsten, ja, jede Annäherung ist schon ein toller Schritt. Also wenn ich mir - und damit starten wir auch immer in den Interventionen - wenn ich mich alleine traue, wenn ich weiß: Da oben in der Ecke sitzt die Spinne, und ich stelle mich mal an die ganz andere Ecke des Raumes und ich gucke mir die mal nur an und guck mal, was macht die? Macht die überhaupt irgendwas? In der Regel, die Spinnen, die so bei uns zu Hause sind, machen ja nicht so viel. Und dann vielleicht kann ich mich trauen, ein bisschen näher dranzugehen, mal zu gucken, was für eine Farbe hat die? Ist die komplett schwarz oder braun oder wie auch immer? Also das sind schon supertolle Schritte, die man zu Hause natürlich ausprobieren kann. Aber wie gesagt, auch das ist ein Problem, wo man definitiv sagen darf: Da brauche ich Hilfe bei, um das zu bewältigen.

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Interview mit Svenja Schaumburg zum Thema Spinnenangst
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FBZ Bochum bietet Hilfe

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Für Kinder- und Jugendliche gibt es im Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit im Bochumer Fenster auf der Massenbergstraße eine Angstsprechstunde. Dort können Kinder mit verschiedenen Ängsten therapiert werden, unter anderem mit Spinnenangst. Die Kosten für diese Sprechstunden werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Die Anmeldung funktioniert telefonisch unter +49 234 3228178 oder per Mail an fbz-ambulanz-kiju@rub.de mit dem Stichwort Angstsprechstunde. Dazu gibt es im FBZ auch eine Lehrambulanz, in der Studierende ihr Wissen praktisch anwenden. Ab Oktober können Kinder und Jugendliche mit Spinnenangst auch dort behandelt werden. Hier bekommt ihr dazu weitere Infos.

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