
Gedenken fünf Jahre nach der Flut
Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz hat der Landtag in Düsseldorf der Opfer gedacht. Bundespräsident Steinmeier, Ministerpräsident Wüst und Landtagspräsident Kuper erinnerten an das Leid der Betroffenen und machten zugleich deutlich, dass die Lehren aus der Katastrophe bis heute gelten.
Veröffentlicht: Mittwoch, 15.07.2026 10:49
Erinnerung an eine Nacht, die alles veränderte
Mit einer Gedenkstunde erinnerte der nordrhein-westfälische Landtag an die Flutkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021. Als Hausherr begrüßte Landtagspräsident André Kuper Angehörige der Opfer, Betroffene, Helfer sowie zahlreiche Gäste aus Politik, Hilfsorganisationen und Kirchen. Die Flut war die schwerste Naturkatastrophe in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. 49 Menschen starben im Land, 136 weitere in Rheinland-Pfalz. Gewaltige Wassermassen zerstörten Häuser, Straßen und Brücken, ganze Orte wurden verwüstet.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte an die Opfer und ihre Angehörigen. Für die Betroffenen gebe es bis heute ein „Davor und Danach“. Viele Wunden seien noch nicht verheilt. „Wir, das ganze Land, stehen an Ihrer Seite“, sagte Steinmeier. Sein Versprechen von damals gelte unverändert: „Sie sind nicht allein.“
Solidarität als bleibende Erinnerung
Neben der Trauer rückten die Redner den außergewöhnlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt. Steinmeier erinnerte an die Tausenden Freiwilligen, die mit Schaufeln, Werkzeug und Hilfsgütern aus dem ganzen Bundesgebiet in die Flutgebiete kamen, oft noch bevor die Rettungsarbeiten abgeschlossen waren. Viele hätten wochen- und monatelang geholfen, auch nachdem das öffentliche Interesse längst nachgelassen habe.
Auch Ministerpräsident Hendrik Wüst würdigte die bis heute anhaltende Solidarität. Die Hilfsbereitschaft habe den Betroffenen Kraft gegeben und wesentlich dazu beigetragen, dass der Wiederaufbau vielerorts gelungen sei. Krankenhäuser, Kindergärten und Sportanlagen seien inzwischen wieder aufgebaut oder erneuert worden. Gleichzeitig betonte Wüst, dass der Wiederaufbau noch lange nicht abgeschlossen sei und für manche Menschen der Alltag bis heute nicht zurückgekehrt sei.
Mahnung für die Zukunft
Sowohl Steinmeier als auch Wüst verbanden das Gedenken mit einem klaren Appell für die Zukunft. Steinmeier bezeichnete die Flut von 2021 als „eine Warnung, eine unmissverständliche“. Deutschland müsse sich besser auf Extremwetter vorbereiten und gleichzeitig den Klimaschutz entschlossen vorantreiben. Warnsysteme und Katastrophenschutz seien zwar verbessert worden, dennoch sei Deutschland beim Schutz vor den Folgen des Klimawandels noch nicht dort, wo es sein müsse.
Wüst zog eine Verbindung zur jüngsten Hitzewelle in Nordrhein-Westfalen. Extremwetterereignisse nähmen zu und machten deutlich, dass die Folgen des Klimawandels längst Realität seien. Deshalb müsse der Schutz vor den Folgen des Klimawandels weiter ausgebaut werden. Trotz aller Trauer bleibe aber auch eine positive Erfahrung: Die Flut habe gezeigt, wie groß der Zusammenhalt in Nordrhein-Westfalen sei. „Es bleibt die Erkenntnis, dass unser Land zusammenhält, in größter Not. Das gibt Zuversicht“, sagte Wüst.
Autor: José Narciandi