
Streit um Konzert im Kunstmuseum Bochum
Das Netzwerk „Stadt für Alle“ kritisiert die Absage eines Vonovia-kritischen Konzerts im Kunstmuseum. Die Stadt Bochum verweist auf rechtliche Risiken, hält eine veränderte Form der Veranstaltung aber weiterhin für möglich.
Veröffentlicht: Dienstag, 04.08.2026 05:25
Vonovia-Kritik: Absage Veranstaltung im Kunstmuseum Bochum
Das Bochumer Netzwerk „Stadt für Alle“ kritisiert die Absage des Konzerts „Viva la Musica – enteignet Vonovia“ durch das Kunstmuseum Bochum und ruft dazu auf, sich an der musikalischen Ersatzkundgebung zu beteiligen.
Es sei Pflicht der Stadt und ihrer Kultureinrichtungen, gesellschaftliche Debatten zu schützen und zu ermöglichen, statt die Kunstfreiheit zu einzuschränken, sagt Rainer Midlaszewski vom Netzwerk „Stadt für Alle“. Beim Vonovia-Award für Fotografie habe die Stadt offensichtlich kein Problem damit gehabt, wenn Vonovia im Titel einer Kunstmuseums-Veranstaltung genannt werde. Dem umstrittenen Konzern einerseits Räume für Marketing zur Verfügung zu stellen, aber andererseits zu versuchen, ihn vor berechtigter Kritik zu schützen, sei peinlich und einer demokratischen Gesellschaft unwürdig, heißt es in einer Mitteilung.
Wie hat die Stadt Bochum reagiert?
Die Stadt Bochum hat einen Vertragsschluss mit dem Verein abgelehnt. Die Stadt ist der Meinung, dass mit der Nennung eines konkreten Unternehmensnamens in Verbindung mit bestimmten Meinungsäußerungen und Tatsachenbehauptungen die Verwirklichung von Straftatbeständen wie Verleumdung und übler Nachrede nicht auszuschließen gewesen wäre.
Die Thematisierung von Wohnungsnot und Kritik am Vorgehen einiger Akteure auf dem Wohnungsmarkt wäre für die Stadt Bochum natürlich in Ordnung gewesen, da sie der sachlichen Auseinandersetzung dienen. Das hat uns ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage mitgeteilt. Solche politischen Diskussionen haben im Kunstmuseum unter Beteiligung der Akteure auch schon stattgefunden. Die Stadt Bochum sei weithin gesprächsbereit, so dass das Konzert in abgewandelter Form noch stattfinden könnte.
Warum erzeigte die geplante Veranstaltung Kritik?
Der für Freitag (7.8.) angekündigte Auftritt des Orchesterprojekts Lebenslaute war als zentraler Bestandteil einer Aktionswoche unter dem Motto „Wohnen ist Gemeingut – Eigentum verpflichtet (Art. 14 GG)“ geplant. Zusammen mit weiteren Bündnispartnern ruft das Bochumer Netzwerk „Stadt für Alle“ zu der Aktionswoche auf. Die Veranstaltung war vom Kunstmuseum bestätigt und bereits auf der Website des Museums angekündigt. Der Plan: Ein Konzert mit klassischer Musik und Redebeiträgen zu Wohnungsnot, Verdrängung und dem Geschäftsmodell großer Immobilienkonzerne. Die jetzt durchgesetzte Absage wertet das Netzwerk als Zeichen für eine fehlende Distanz der Stadtverantwortlichen zu Vonovia.
Begründet hatte das Museum die Raumkündigung unter anderem damit, dass im Veranstaltungstitel Vonovia genannt werde. Außerdem könne nicht ausgeschlossen werden, dass „es sich bei Ihren Ausführungen um Verleumdungen und üble Nachrede handelt“. Das Netzwerk „Stadt für Alle“ hält das für konstruiert und vorgeschoben. „Noch leben wir in einem Rechtsstaat, in dem künstlerische Kritik, Zuspitzung und Polemik sogar viel weiter gehen dürften als alles, was wir bereit wären mitzutragen“, sagt Rainer Midlaszewski.