
"Toilette für alle" in Bochum durch Vandalismus unbenutzbar
Seit Ende April gibt es am Bermuda3Eck die "Toilette für alle". Menschen mit schwerer Behinderung sollen in der Innenstadt auf die Toilette gehen können und so am Ausgehleben teilnehmen. Aber nur wenige Tage später wurde das Schloss der Anlage zerstört.
Veröffentlicht: Mittwoch, 24.06.2026 15:19
Die "Toilette für alle" in Bochum ist mehr als barrierefrei
Seit dem 29.04.2026 steht am Konrad Adenauer Platz im Bermuda3Eck, schräg gegenüber der Bühne, ein großer, dunkelgrauer Container. Es handelt sich um die "Toilette für alle", auf die Gäste mit schweren Behinderungen gehen können. Besonders am Bermuda3Eck waren behindertengerechte Toiletten seit langem ein Thema - Menschen mit Behinderungen konnten nicht wirklich am Leben im Bermuda teilnehmen. Die Toilette für alle sollte Abhilfe schaffen. Nur vier Tage nach der Eröffnung wurde der Schließmechanismus der Tür durch Vandalismus zerstört. Durch einen Kurzschluss hat sich die Tür verriegelt und lässt sich nicht mehr öffnen. Techniker der Stadt Bochum haben den Schaden begutachtet. Ein Auftrag für die Reparatur ist bereits gestellt, diese hat sich wegen technischer Schwierigkeiten aber verzögert, wie uns die Stadt mitteilte. Wie lange die "Toilette für alle" noch unbenutzbar ist, ist nicht absehbar.
Lange in Vorbereitung - und ist jetzt bereits wieder geschlossen
Neben der Stadt und der AG Behinderte in Bochum ist auch das Mandragora im Bermudadreieck am Projekt beteiligt. Das Team wollte sich um die regelmäßige Reinigung der Toilette kümmern. Geschäftsführer Julian Kruse steht vor vielen Fragezeichen: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass es überhaupt zu so einer Art Vandalismus gekommen ist. Gerade vor dem Hintergrund, dass diese Anlage dazu dient, allen Menschen, insbesondere denen mit schweren körperlichen Behinderungen, eine Möglichkeit zu geben, das Bermudadreieck zu besuchen. Und dass das torpediert wird, will mir einfach nicht in den Kopf."
Eine Entlastung für Menschen mit Behinderung
Getroffen wurde die Ratsentscheidung für eine solche barrierefreie und behindertengerechte Toilette in der Innenstadt bereits 2013. Doch es dauerte, bis alles koordiniert war. "Besonders die Standortsuche war kompliziert", sagt Markus Bradtke, der Baudezernent der Stadt Bochum. Beim Standort war sowohl wichtig, dass die Toilette einfach zugänglich und nah am Geschehen war, als auch, dass genügend Platz da war. "Das ist sehr wichtig für uns Menschen mit Behinderung. Vor allem auch, was die Sichtbarkeit angeht für so Dinge, die für viele komplett selbstverständlich sind", hat Victoria Michels, die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Behinderte in Bochum, gesagt. Sie und ihre AG haben lange für Inklusionsschritte wie diesen gekämpft. "Viele sind oft zu Hause geblieben, statt auszugehen, weil es hier einfach nirgends möglich war, auf die Toilette zu gehen. Es muss aber auch weitergehen. In der Innenstadt ist überall noch Bedarf für mehr Teilhabe." Hinein kommt ihr in die Toilette nur mit einem sogenannten Euroschlüssel, den ihr online beantragen könnt.