Was schadet einer Armbanduhr? Uhrmacher klärt auf

Was schadet einer Armbanduhr?
© Arne Immanuel Bänsch (dpa)

Das muss man wissen

Mainburg (dpa/tmn) - Die klassische Armbanduhr hat es nicht leicht. Wer heutzutage die Uhrzeit wissen möchte, greift oft automatisch zum Smartphone in der Hosentasche. Die Uhr ist zunehmend verzichtbar und immer häufiger nur ein modisches Accessoire, das bei Gelegenheit mal aus dem Schrank geholt wird.

Das Problem ist: Lange Liegezeiten können einer Armbanduhr unter gewissen Umständen schaden. Uhrmachermeister Albert Fischer sagt, was dahinter steckt und wie die Uhr auch dann rund läuft, wenn sie nur selten am Arm getragen wird.

Frage: Herr Fischer, man hört manchmal den Tipp, dass Armbanduhren nicht zu lange liegen sollten. Das sei schlecht für das Uhrwerk. Ist da etwas dran?

Albert Fischer: Allgemein ist das heutzutage kein Problem mehr. Es hat sich einiges getan, was die Schmierstoffe angeht. Wir arbeiten mit vollsynthetischen Ölen. Diese verharzen und verdunsten nicht wie die klassischen Öle früher. Deshalb tut es den neueren Uhren nicht weh, wenn man sie über mehrere Monate liegen lässt, egal, ob es sich um eine mechanische Uhr oder eine Quarzuhr handelt.

Bei klassischen Uhrenölen war es tatsächlich so, dass sie die Bewegung gebraucht haben, um eine relativ gleichbleibende Schmierung zu gewährleisten. Blieb die Uhr lange liegen, verharzte das Öl schneller. Es wurde also dicker, was eine bremsende Wirkung aufs Uhrwerk hatte. Die Amplitude wurde schwächer oder die Uhr blieb sogar stehen. Vor über 30 Jahren wurde aber begonnen, mehr und mehr auf synthetische Uhrenöle umzustellen.

Frage: Was ist, wenn das klassische Uhrenöl im Uhrwerk dick geworden ist?

Fischer: Dann müsste man die Uhr auseinanderbauen, reinigen, das Uhrwerk auf Verschleiß prüfen und es dann neu ölen. Es reicht nicht, nur frisches Öl in die Lager zu geben, wenn das alte, verharzte Öl noch drin ist – das macht es nur schlimmer.

Frage: Welche Tipps gibt es, wenn man seine Armbanduhr für längere Zeit nicht tragen möchte?


Fischer: Aus Quarzuhren lässt man bei längerer Lagerung lieber die Batterie herausmachen. Denn in der Batterie sind recht aggressive Chemikalien. Das ist weniger ein Problem, solange die Uhr läuft, denn auf diese Lebensdauer sind die Batterien ja ausgelegt. Doch wenn sie stehen bleibt, können mit der Zeit die Chemikalien in der Batterie die Dichtung des Batteriemantels zersetzen und für Schäden im Uhrwerk sorgen. Wer nicht regelmäßig prüfen möchte, ob seine Uhr noch läuft, lässt die Batterie deshalb besser entfernen.

Wo ich eine Armbanduhr generell nicht lagern würde, ist im Bad. Ich weiß, das machen viele gerne, weil sie ihre Uhr dort an- und ablegen. Gerade wenn die Uhr nur staubdicht ist, aber nicht wasserdicht, kann die Feuchtigkeit im Bad allerdings zu Rostschäden im Uhrwerk führen. Für Lederarmbänder ist die Feuchtigkeit ebenfalls nicht gut.

Auch auf dem Fensterbrett in der prallen Sonne sollte man eine Armbanduhr nicht ablegen. Das Sonnenlicht hat den unschönen Effekt, dass es farbige Ziffernblätter und Lederbänder womöglich ausbleicht. Wenn sich die Uhr auf dem Fensterbrett stark aufheizt, ist das außerdem schlecht fürs Uhrwerk.

Von Uhrenbewegern für Automatikuhren, die man nur gelegentlich trägt, rate ich im Normalfall eher ab. Sie dienen eher der Bequemlichkeit – schließlich halten sie die Uhr am Laufen und man muss die Uhr nicht immer wieder neu einstellen, wenn man sie anlegt. Aber auf der anderen Seite ist der Verschleiß im Uhrwerk durch diesen Dauerbetrieb natürlich größer, als wenn die Uhr nur zeitweise getragen wird. Im Grunde eben so, also würde man sie täglich am Arm tragen.

ZUR PERSON: Albert Fischer ist Uhrmachermeister und Präsident des Zentralverbands für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik.

© dpa-infocom, dpa:211011-99-556128/4

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