
Weltkrebstag: Wie ein Bochumer Zweithaarstudio Krebspatient:innen neues Selbstvertrauen gibt
Haarausfall gehört für viele Krebserkrankte zu den sichtbarsten Folgen einer Chemotherapie. Zum Weltkrebstag am 4. Februar haben wir bei Radio Bochum mit einem Menschen gesprochen, der Betroffenen in dieser schwierigen Phase hilft, sich wieder wohler mit ihrem Aussehen zu fühlen.
Veröffentlicht: Dienstag, 03.02.2026 16:38
Mehr als nur eine Perücke
Am Schlosspark in Weitmar betreibt Maik Kaiser ein Zweithaarstudio. Dort versorgt er Menschen mit Perücken, die ihre Haare etwa durch eine Chemotherapie verloren haben. Sein Anspruch geht dabei weit über das bloße Verdecken von Haarausfall hinaus: Es geht um Würde, Selbstbewusstsein und Lebensqualität. „Wow, ich seh gut aus“ - solche Momente könnten in einer ohnehin belastenden Situation enorm viel Kraft geben, sagt Kaiser.
Je früher, desto besser
Viele Patientinnen und Patienten wüssten zu Beginn einer Therapie nicht, ob und wann sie ihre Haare verlieren. Genau deshalb rät Maik Kaiser, sich frühzeitig zu informieren und beraten zu lassen. Aufschieben helfe nicht, im Gegenteil. Wer sich rechtzeitig kümmere, habe später weniger Stress und mehr Sicherheit, wenn sich das äußere Erscheinungsbild tatsächlich verändert.
Je früher man das macht, desto besser, definitiv. Ich kann aber auch super gut anhand von Bildern arbeiten und weiß dann, welche Perücke käme in Frage. - Maik Kaiser
Beratung auf Augenhöhe
Der gebürtige Bochumer hat früher unter anderem für große Kosmetikfirmen gearbeitet und war Stylist bei Fernsehproduktionen. Heute hat er sich bewusst für einen anderen Weg entschieden. Der Schritt ins Zweithaar-Geschäft sei eine Herzensentscheidung gewesen, sagt er.
Deswegen geht die Beratung dann von wirklich Kopfbedeckung für die Nacht über, ihr sollt nicht mehr zur Kosmetik, weil bla bla bla und so weiter. Also es ist schon etwas breiter aufgestellt. - Maik Kaiser
Gerade der sensible Umgang mit Krebspatientinnen und -patienten spiele eine große Rolle. Zeit nehmen, Sorgen ernst nehmen, zuhören - all das sei mindestens genauso wichtig wie das handwerkliche Können. Auch wenn er betont, kein Therapeut zu sein, entstünden in den Beratungsgesprächen oft sehr persönliche Momente.
Moderne Perücken statt alter Klischees
Viele Betroffene hätten noch immer ein veraltetes Bild von Perücken im Kopf. Doch moderne Zweithaarlösungen seien heute kaum noch von echtem Haar zu unterscheiden. Für viele Erkrankte bedeute das eine große Erleichterung - zumindest eine Sorge weniger in einer ohnehin herausfordernden Zeit.
Zum Weltkrebstag wird damit deutlich: Neben medizinischer Versorgung sind es auch solche Angebote, die Betroffenen im Alltag Halt geben. Dass es Menschen wie Maik Kaiser und entsprechende Anlaufstellen hier in Bochum gibt, ist für viele Erkrankte ein wichtiger Baustein auf ihrem Weg durch die Krankheit.