
Bochum: Ermittlungen nach Polizeischuss auf Zwölfjährige dauern weiter an
Drei Monate nach dem Polizeieinsatz in Bochum, bei dem ein gehörloses zwölfjähriges Mädchen schwer verletzt wurde, ist ein Abschluss der Ermittlungen weiterhin nicht in Sicht.
Veröffentlicht: Dienstag, 17.02.2026 07:09
Ermittlungen dauern weiter an
Die Ermittlungen nach dem Polizeieinsatz in Bochum laufen weiterhin. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird derzeit unter anderem der Funkverkehr der beteiligten Beamten ausgewertet. Wegen des Umfangs der Ermittlungen sei ein zeitnaher Abschluss nicht in Sicht. Die Zwölfjährige war in der Nacht zum 17. November bei dem Einsatz durch einen Schuss schwer verletzt worden und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Die Polizei hatte nach bisherigen Angaben einen Messerangriff durch das Mädchen befürchtet. Gegen den Beamten, der geschossen hat, wird wegen versuchten Totschlags ermittelt. Gegen einen Kollegen, der außerdem einen Taser eingesetzt hatte, laufen Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung. Beide Beamte sind wieder im Dienst.
Einsatz begann als Suche nach vermisstem Kind
Die Polizei war zunächst ausgerückt, weil das Mädchen aus einer Wohngruppe für gehörlose Kinder und Jugendliche in Münster vermisst wurde und dringend Medikamente benötigte. Später stellte sich heraus, dass sie zu ihrer Mutter nach Bochum gefahren war. Dort eskalierte der Einsatz nach bisherigen Angaben: Die ebenfalls gehörlose Mutter wurde von der Polizei zu Boden gebracht und fixiert. Kurz darauf erschien nach Angaben der Polizei die Zwölfjährige mit zwei Messern in der Hand, wenig später fiel der Schuss.
Anwalt der Familie äußerte Zweifel an Aussagen der Polizei
Im Nachgang der Tat hatte sich der Anwalt der Familie außerdem gemeldet. Er kritisierte, dass die Mutter des Kindes und die Tochter selbst nicht oder zu spät vernommen worden seien. Zum damaligen Zeitpunkt hatte er Angehörige zu der Tat befragt. Anhand dessen ließe sich ein anderes Bild zeichnen, als die Polizei es dargestellt hat. Auch die Aussagen der Polizei zum Gesundheitszustand des Mädchens seien irreführend gewesen. Die Ermittelnde Behörde, die Polizei Essen, hatte die Vorwürfe damals zurückgewiesen.