
Ermittlungen könnten noch Monate dauern
Im Fall der schwer verletzten Zwölfjährigen nach einem Polizeieinsatz in Bochum dauern die Ermittlungen weiter an. Das hat die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitgeteilt. Demnach ist das Verfahren besonders umfangreich. Unter anderem werden zahlreiche Zeugen vernommen. Außerdem warten die Ermittler noch auf ein Gutachten des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen. Dabei geht es um sogenannte Schmauchspuren. Sie sollen Aufschluss darüber geben, wie groß der Abstand zwischen dem Mädchen und dem Polizeibeamten beim Schuss war. Ein Abschluss der Ermittlungen ist laut Staatsanwaltschaft aktuell nicht absehbar. Es könne noch mehrere Monate dauern.
Hintergrund: Einsatz eskalierte in Wohnung
Die Zwölfjährige war in der Nacht zum 17. November bei einem Polizeieinsatz durch einen Schuss schwer verletzt worden und schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Die Polizei hatte angegeben, einen Messerangriff befürchtet zu haben. Der Einsatz hatte ursprünglich als Suche nach dem vermissten Mädchen begonnen. Sie war aus einer Einrichtung in Münster verschwunden und hatte dringend Medikamente benötigt. Später wurde sie in der Wohnung ihrer Mutter in Bochum gefunden. Dort soll die Situation eskaliert sein: Die Mutter wurde von der Polizei fixiert, kurz darauf soll die Zwölfjährige mit Messern aufgetaucht sein. Wenig später fiel ein Schuss.
Ermittlungen gegen zwei Beamte
Gegen den Beamten, der geschossen hat, wird wegen versuchten Totschlags ermittelt. Ein weiterer Polizist steht wegen gefährlicher Körperverletzung im Zusammenhang mit dem Einsatz eines Tasers im Fokus. Beide Beamte sind inzwischen wieder im Dienst.
Kritik von Familienanwalt
Der Anwalt der Familie hatte nach dem Vorfall Zweifel an der Darstellung der Polizei geäußert. Er kritisierte unter anderem, dass wichtige Zeugen zu spät vernommen worden seien und sprach von möglichen Widersprüchen. Die zuständige Polizei Essen hatte diese Vorwürfe zurückgewiesen.