Bochum im Dritten Reich

75 Jahre ist das Ende des II. Weltkriegs jetzt her. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Über 1 Millionen Menschen haben die Nazis dort ermordet. Einige der Opfer kamen auch hier aus unserer Stadt.

Aufmarsch am Bochumer Rathaus unter der Hakenkreuzfahne, Kreisparteitag, 7. Mai 1939
© Stadt Bochum

Zu den Opfern gehören der Metzger Jacob Mayer, der der Vorbesitzer des Metzgerei Dönninghaus war, oder die kleine Renée Gottschalk, deren Vater ein jüdischer Kaufmann und der Kapitän der letzten jüdischen Fußballmannschaft in Bochum war. Auf dieser Seite haben unsere Radio Bochum-Reporter Johannes Hoppe und Tom Geertmann einige Schicksale aus der NS-Zeit in Bochum zusammengetragen, flankiert von Fotos des Bochumer Stadtarchivs. Die O-Ton-Geber sind teilweise Angehörige von Opfern der Nazis oder Historiker, die sich seit Jahren mit der NS-Zeit beschäftigen.

Außerdem liegen den folgenden Beiträgen das Buch „Hakenkreuz über Bochum“ von Johannes Volker Wagner, sowie die Dokumentation „Eine Revierstadt wird Braun" zugrunde.

NS-Zeit in Bochum

Bochumer Schicksale zum Nachhören

Stellt Euch vor Ihr geht immer zum gleichen Metzger einkaufen und dann lest Ihr in der Zeitung oder bei Facebook: „Kauft bloß nicht mehr bei dem Metzger ein, der ist Jude!“ Klingt echt befremdlich, war vor mehr als 80 Jahren hier bei uns in Bochum aber ganz normal. Die Nazis haben nach der Machtergreifung nämlich dafür gesorgt, dass alle jüdischen Geschäfte boykottiert wurden. Gemündet hat dieser Boykott in der Vernichtung der Juden in Konzentrationslagern. Heute vor 75 Jahren ist das wohl bekannteste KZ in Auschwitz befreit worden. Für uns von Radio Bochum ist das Anlass genung um diese Woche mal über die Nazizeit hier bei uns in der Stadt zu sprechen. Eine Geschichte ist die des Bochumer Metzgers Jacob Mayer. Die Nazis hatten in der Zeitung eine Liste mit 200 Namen veröffentlicht und auf der stand auch Jacob Mayer. Der hat die Metzgerei betrieben, die wir als Dönninghaus kennen. Der ehemalige RUB-Historiker Hubert Schneider hat die Geschichte erzählt.

© Radio Bochum - Johannes Hoppe

Braune Hemden ziehen zusammen mit Polizisten durch Bochums Straßen und nehmen jeden fest, der nicht deren Gesinnung teilt. Das war vor mehr als 80 Jahren ganz normal hier bei uns in Bochum. Vor 75 Jahren war der Spuck mit den Nazis hier bei uns in Bochum und Deutschland vorbei. Bis dahin haben die Nazis aber unzählige Verbrechen in unserer Stadt begangen, zum Beispiel im Polizeigefängnis. In dem hat unter anderem der Herner Alfred Dymel ein paar Nächte verbracht, weil er mit einer Gruppe Widerstand geleistet hat. Und zwar seit der Machtergreifung 1933. Das hat sein Sohn Rolf Dymel uns erzählt.

© Radio Bochum - Johannes Hoppe

Falls Ihr in den nächsten mal auf der Luisenstraße, hier in der Innenstadt am Café Zentral seid, schaut doch mal auf dem Boden. Da sind 5 Messing-Plaketten im Boden. Das sind Stolpersteine und die erinnern in diesem Fall an die jüdische Familie Gottschalk. Die Nazis haben vor mehr als 80 Jahren ja angefangen Juden aus unserer Stadt zu verfolgen und später systematisch in Konzentrationslagern zu ermorden. Dazu gehört die Bochumer Familie Gottschalk. Vater Erich Gottschalk war Fußballer beim Vorgänger-Verein des VfL beim TuS Bochum 1908.

Am 6. Oktober vergangenen Jahres war der 75. Todestag von Renée Gottschalk. Zu diesem Anlass hat das Fanprojekt des VfL eine aktuelle Broschüre über die NS-Zeit rausgebracht. Die heißt „1938, nur damit es jeder weiß“.

© Radio Bochum - Johannes Hoppe

Eine Ruhrgebietsstadt wird braun! So war’s damals vor mehr als 80 Jahren als die Nazis hier bei uns in Bochum regiert haben. Wir sprechen über das Thema und mit Bochumern, die sich mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte beschäftigen. Alfons Zimmer zum Beispiel. Er ist Seelsorger in der JVA an der Krümmede und recherchiert nebenbei über die NS-Zeit im Bochumer Gefängnis. Er hat unserem Reporter Johannes Hoppe erzählt, dass neben Kriminellen auch politische Gefangene, wie Kommunisten, Sozialdemokraten, Résistance-Kämpfer und Geistliche, 45 waren es zwischen 1933 und 1945.

© Radio Bochum - Johannes Hoppe

"Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." Dieser Satz stammt aus einer Rede von AfD-Politiker Björn Höcke. Damit meint er das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Solche und andere eindeutig rechte Aussagen machen AfD-Politiker ja regelmäßig. Und damit sind die Parallelen zu den Nazis ganz offensichtlich. Zum Glück gibt es hier bei uns in Bochum Menschen, die sich diesen rechten Tendezen mit ihrer Arbeit entgegen stellen. Wir haben einige von ihnen getroffen.

© Radio Bochum - Johannes Hoppe

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